Das Annuitätendarlehen gilt bei einem Immobilienkauf im Allgemeinen als klassische Finanzierungsart. Das liegt beispielsweise vor allem auch daran, dass ein solcher Kredit, aufgrund seiner gleichbleibenden, monatlichen Raten, sehr übersichtlich und somit gut planbar ist. Doch wie genau ein Annuitätendarlehen beantragt wird und wie es abläuft, darüber herrscht oftmals Unklarheit.
Inhalt
Ablauf
Der Ablauf eines Annuitätendarlehens ist in der Regel gleichbleibend:
1. Kreditangebot auswählen: Zunächst einmal wird ein günstiges Darlehensangebot gesucht. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass die Kreditinstitute, die diesbezüglich kontaktiert werden, eine Konditionenabfrage und keine Kreditanfrage bei der Schufa melden. Denn während zuletzt genanntes dort abgespeichert wird, ist das bei einer Konditionenabfrage nicht der Fall.
2. Damit die Bank ein individuelles Kreditangebot anfertigen kann, ist es notwendig, hierfür nicht nur die geplante Finanzierungssumme, sondern ebenfalls den eigenen finanziellen Hintergrund darzulegen. Ist das geschehen, wird das Kreditinstitut einen dementsprechenden Sollzins veranschlagen.
3. Im nächsten Schritt wird die Zinsbindung festgelegt. Hier hat der Kreditnehmer zumeist die Wahl zwischen einer unterschiedlichen Anzahl an Jahren. Typisch sind beispielsweise Sollzinsbindungen von zehn oder auch 15 Jahren. Hierbei gilt es zu beachten, dass die Sollzinsbindung während der vereinbarten Laufzeit nicht geändert werden kann. Dementsprechend bietet es sich beispielsweise bei einer Niedrigzinsphase an, eine sehr lange Sollzinsbindung auszuwählen, während man in Zeiten von hohen Zinsen gerne zu einer kürzeren Bindungszeit rät; sofern absehbar ist, dass die Zinssätze in Zukunft wieder niedriger ausfallen und nicht noch höher steigen.

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4. Tilgung: Ebenso wichtig wie die Frage nach der Zinsbindung ist die Frage nach der Höhe der Tilgungsrate. Dabei sollte unbedingt gut überlegt werden, wie hoch die Tilgung im ersten Jahr der Kreditrückzahlung ausfallen sollte.
In der Regel wird hier mit einem Prozent begonnen. Wesentlich besser ist es jedoch, zu Beginn eine jährliche Tilgungsrate von circa zwei oder drei Prozent zu vereinbaren.
Der Grund hierfür ist ganz einfach: Umso höher die Tilgungsrate zu Beginn ausfällt, desto schneller wird die restliche Darlehensschuld getilgt und desto weniger Zinsen werden während der nächsten Jahre bezahlt. Allerdings sollte die Tilgung beziehungsweise die komplette monatliche Rate natürlich dennoch ohne weiteres bezahlbar bleiben.
5. Anschließend gilt es, die monatliche Rate zu ermitteln. Neben der Darlehenssumme, dem Sollzinssatz sowie dem anfänglichen Tilgungssatz, spielt hier ebenfalls die Kreditlaufzeit eine gewichtige Rolle.
Hier gilt generell: Umso höher die monatliche Rate, die Zins und Tilgung enthält, desto schneller ist der Kredit abbezahlt und umso weniger Zinsen müssen bezahlt werden.
Anders herum verhält es sich so, dass umso niedriger die Monatsrate angesetzt wird, desto länger ist die Kreditlaufzeit und man muss mehr Zinsen begleichen.

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Welche Ratenhöhe im Monat ohne Probleme bewältigt werden kann, ist jedoch recht einfach ausrechenbar. So erstellt man am besten bereits vor dem Bankgespräch einen sogenannten Haushaltsplan. In diesem werden sämtliche regelmäßigen und unregelmäßigen Ausgaben eines Monats von den jeweiligen Einnahmen abgezogen. Die daraus resultierende Summe steht zur freien Verfügung und kann somit ebenfalls für die Rückzahlung des Darlehens verwendet werden.
Allerdings ist es unbedingt ratsam, nicht die komplette Summe zur Kreditrückzahlung einzusetzen. Denn schließlich kann es durchaus einmal geschehen, dass man in einem Monat plötzlich eine höhere Summe benötigt, die dann vorhanden sein muss. Das ist beispielsweise der Fall, wenn der alte Kühlschrank seinen Dienst verweigert und es somit notwendig ist, ein neues Gerät zu erstehen.
6. Bevor das Annuitätendarlehen definitiv abgeschlossen wird, sollte man zudem nach weiteren Sonderleistungen fragen; sofern die Bank nicht bereits von sich aus darauf eingeht.
So bieten zum Beispiel einige Kreditinstitute die Möglichkeit, von kostenfreien Sondertilgungen an. Auf diese Weise ist es, zusätzlich zu der eigentlichen, monatlichen Rate, möglich, Teilzahlungen zu leisten, die dafür sorgen, dass sich die Darlehensschuld verringert und somit weniger Zinsen anfallen.
Sehr praktikabel kann jedoch auch ein variabler Tilgungssatz sein, der generell an die eigene, finanzielle Situation anpassbar ist.
Ebenso bietet das Aussetzen einer Monatsrate im Notfall oftmals eine recht große Erleichterung.
7. Nachdem mit der Bank alles geklärt ist, erhält man eine Finanzierungsbestätigung beziehungsweise eine Finanzierungszusage der Bank, sodass einem Kauf der gewünschten Immobilie nicht mehr im Wege steht.
8. Der Erwerb des Hauses beziehungsweise der Eigentumswohnung wir anschließend bei einem Notar vollständig abgewickelt und der Käufer wird als jeweiliger Eigentümer in das Grundbuch eingetragen.
Eigenkapital
Das vorhandene Eigenkapital sollte zumindest die Kaufnebenkosten abdecken.

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Bei einer Immobilienfinanzierung setzen die meisten Banken ebenfalls Voraus, dass Eigenkapital in einer gewissen Höhe vorhanden ist. Üblicherweise wird hier verlangt, dass der Betrag wenigstens dazu ausreicht, um die Kaufnebenkosten, wie etwa Notar und Grundbuchamt, zu decken.
Allerdings muss es sich hierbei nicht etwa zwangsläufig um Bargeld handeln. So ist es zum Beispiel ebenfalls möglich, eine Kapitallebensversicherung oder auch einen Bausparvertrag miteinzubringen.
Generell gilt: Umso höher der Anteil an Eigenkapital ist, desto niedriger fällt die Darlehenssumme aus und dementsprechend weniger Zinsen müssen beglichen werden.
Voraussetzungen
Wenn es nicht möglich ist, die diversen Voraussetzungen zu erfüllen, kann beispielsweise ein Bürge oder zweiter Kreditnehmer helfen.
Damit ein Annuitätendarlehen beantragt werden kann, ist es jedoch unabdingbar, dass der Antragsteller die verschiedensten Voraussetzungen der Banken erfüllt. Dazu zählen neben einem sicheren, regelmäßigen Einkommen ebenfalls eine gute Bonität sowie eine positive Schufa-Auskunft. Des Weiteren muss der angehende Kreditnehmer volljährig sein. Ebenso wird in der Regel ein hoher Wert auf einen deutschen Wohnsitz und ein deutsches Girokonto gelegt.
Ist es dem Antragsteller jedoch nicht möglich, die verschiedenen Voraussetzungen zu erfüllen, dann muss dennoch nicht unbedingt sofort von der Kreditaufnahme abgesehen werden.

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In einem solchen Fall bietet es sich entweder an, einen zweiten Kreditnehmer oder auch einen Bürgen hinzuzuziehen. Erfüllt die jeweilige Person ihrerseits die diversen Bank-Voraussetzungen, dann ist es in der Regel kaum mehr ein Problem, das Annuitätendarlehen zu erhalten.
Allerdings muss sich der Bürge beziehungsweise der zweite Kreditnehmer voll und ganz darüber im Klaren sein, dass er, sollte der eigentliche Darlehensnehmer die monatlichen Raten nicht mehr bezahlen können, hierfür haftet. Das bedeutet, dass er die komplette, restliche Darlehensschuld übernehmen beziehungsweise begleichen muss.
Vorteile
Bei einem Annuitätendarlehen wird von verschiedenen Vorteilen, wie etwa einer hohen Planungssicherheit, profitiert.
Ein Annuitätendarlehen bietet den Kreditnehmern die vor allem zwei gewichtigen Vorteile. Dazu gehört vor allem die hohe Planungssicherheit des Darlehens. So ist es dem Antragsteller schon bei Abschluss des Finanzierungsvertrages bekannt, wie hoch die monatliche Rate ausfällt, die in den nächsten Jahren regelmäßig beglichen werden muss. Etwaige Überraschungen gibt es hier nicht.
Dazu kommt, dass es bei einem Annuitätendarlehen für eine gewisse Zeit möglich ist, einen festen Sollzins zu vereinbaren. So bleibt der Zinssatz während dieser Zeitspanne immer gleich hoch und verändert sich nicht.